Als wenn es nichts Wichtigeres gäbe, beschäftigt sich die Lokalredaktion der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung mit der Planung der Verwaltung für die Weiße Brücke, welche im Bauausschuß für Kontroversen gesorgt hatte. Das Thema ist für uns von Interesse, weil eine der Velorouten über diese Brücke führt, auf dem Weg zwischen Paradeplatz und Neuem Rathaus. Und das Bauamt will Gelder für die Brückensanierung abgreifen, indem es den Abschnitt von der Brücke bis zu Am Gymnasium auf den Mindeststandard für eine Veloroute bringen will. Dadurch seien die 800.000 zum größten Teil durch die Fördergelder gedeckt. Nun sind Fördergelder auch Steuergelder, wie bei Bauausschußsitzungen immer wieder angemerkt wird, aber ist es nicht besser, im armen Rendsburg entsteht damit etwas Zukunftsträchtiges, als daß das Geld woanders verpulvert wird?
Derzeit erfüllen die im Prospekt ausgewiesenen Velorouten zum Großteil nicht einmal ansatzweise die Standards einer Veloroute, welche ein sicheres und zügiges Vorankommen mit dem Fahrrad ermöglichen sollen. Velorouten führen parallel zu Hauptstraßen zu wichtigen Zielen wie Schulen, dem Rathaus oder Kultureinrichtungen wie dem Stadttheater. Das sind sozusagen recht einfache Stadtautobahnen für Radfahrer. Und deshalb sollten sie getrennt von Fußgängern geführt werden.
Wenn Radtouristen vom Nord-Ostsee-Kanal, vom Ochsenweg oder vom Eider-Treene-Sorge-Wanderweg in die Innenstadt gelockt werden sollen, bedarf es einer vernünftigen Radverkehrskonzeption. Das ist mit den Velorouten annähernd geschehen, über deren Streckenverlauf gestritten werden kann, die aber alle wichtigen Punkte anbinden und die wichtigen Achsen abbilden. Kritisch sind die Standards auf diesen Velorouten. Sie führen durch Drängelgitter, führen über Gehwege oder eben über eine schmale Brücke wie die Weiße Brücke. Und wenn die Verwaltung die notwendigen Standards erfüllen will, dann sollten jene schweigen, welche solche Velorouten mitbeschlossen haben oder sogar wie der Ratsherr Lothar Möhding (SPD), immerhin Kraftfahrer, meinen, Radfahrer hätten nichts auf der Fahrbahn zu suchen und müßten auf dem Gehweg fahren.² Ab September gibt es in der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehsordnung ein Diskriminierungsverbot für einzelne Verkehrsarten. Wenn wir dann überlegen, welche Wege Radfahrer suchen müßten, wenn die Veloroute durch den Stadtpark nicht mehr gegeben wäre, dannkönnen wir uns schon auf das Geheul und aggressive Gehupe der Kraftfahrzeugführer auf den Tangenten freuen. - Und gerade für die Radfahrer, die nicht auf Fahrbahnen fahren mögen, weil sie die Aggressionen der Territorialverteidiger fürchten, werden Velorouten geschaffen.Schließlich würde der Radverkehr unattraktiv und nähme ab, was zu mehr Fahrradunfällen führt.
Die Debatte über die Weiße Brücke entscheidet, ob Rendsburg verkehrspolitisch im 21. Jahrhundert ankommt, oder eben nicht.
² In der Debatte zum Kreisverkehr in der Itzehoer Chaussee merkte Ratsherr Möhding an, auf der Itzehoer Chaussee führen die Radfahrer auf der Fahrbahn, obwohl sie auf dem Gehweg fahren müßten. Hierbei irrte er erheblich. Radfahrer dürfen mit Schrittgeschwindigkeit bzw. ab 1. September mit angepaßter Geschwindigkeit fahren, weil dort das Zusatzteichen “Fahrrad frei” angebracht ist, aber Radfahrer müssen generell auf der Fahrbahn fahren.
Die Aussichtsplattform ist für uns nur von daher interessant, daß sie wohl so neben dem Radweg liegen wird, so daß dort Fußgänger den Radweg queren werden und gegebenenfalls Radfahrer stören oder gar gefährden. Sie dürfte auch von der Attraktivität der Aussicht her überflüssig sein.
Leserbrief von Torben Frank zum Thema Weiße Brücke als Reaktion auf die Bitte der Redaktion, ihr bis heute Kommentare mit dem Betreff “Weiße Brücke” zuzusenden. Die meisten Kommentare lassen schon erkennen, wohin der Trend geht. Ohne informiert zu sein, worum es geht, werden Kommentare abgegeben. Wir können nur hoffen, daß die klassischen Leserbriefe über dem für das Internet leider üblichen Niveau liegen.
Moin! Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit Freude vernahm ich, daß die Stadverwaltung plant, eine ihrer Velorouten vernünftig auszubauen. Rendsburg erfüllt ansonsten bisher kaum Ziele des Nationalen Radverkehrsplans, wenn wir von den vorbildlichen Abstellbügeln absehen. Dabei liegt Rendsburg an radtouristischen Streckenverläufen wie dem Ochsenweg oder der NOK-Route. Radtourismus ist eine Wachstumsbranche.
Die Forderung einiger Bauausschußmitglieder nach sandigem Untergrund statt der Pflasterung widerspricht dem Gedanken einer Veloroute. Eine Veloroute soll kein Spazierweg in schöner Natur, sondern eine Fahrbahn für ein schnelleres und sicheres Vorankommen in der Stadt sein, sei es zur Arbeitsstätte, zur Schule oder einem anderen Ziel. Dafür wäre eigentlich Asphalt statt Pflasterung oder gar sandiger Untergrund wünschenswert. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn eine der Hauptverkehrsachsen mit Kraftfahruzeugverkehr mit Kies statt Asphalt erneuert würde!
Das Ziel ist es, nicht nur aus ökologischen Gründen das Radfahren attraktiver zu machen. Wenn ein Radfahrer je nach Verkehrssituation auch mit 25 km/h auf solch einer Strecke unterwegs sein kann, wird Radfahren attraktiver. Das ist nur möglich, wenn die Oberfläche es erlaubt und nicht andauernd Fußgängern ausgewichen werden muß. Daher ist die Trennung von Radweg und Gehweg, wie von der Stadtverwaltung angedacht, erforderlich. Fußgänger, darunter sind auch viele Kinder, ältere Menschen oder Hör-, Seh- oder anderweitig eingeschränkte Menschen, profitieren erheblich von der Trennung. Deswegen ist das Radfahren auf Gehwegen an Fahrbahnen auch verboten, das Fahrzeug Fahrrad gehört auf die Fahrbahn. Von guten Velorouten profitiert daher auch der Kraftfahrzeugverkehr. Denn ein Großteil der Radfahrer wird leichte Umwege über Velorouten inkaufnehmen; zumal die Kraftfahrzeugführer auch in Rendsburg ihr vermeintlich ureigenes Territorium Fahrbahn aggressiv verteidigen. Zum Glück bleibt es mehrheitlich nur bei unqualifizierten Pöbeleien seitens der Autofahrer.
Die offizielle Veloroute wurde über diese Brücke gelegt, also sollen die Ratsfrauen und -herren sowie die bürgerlichen Mitglieder der Ausschüße auch die Konsequenzen ziehen und einen Ausbau der deklarierten Velorouten nach den erforderlichen Standards nicht verhindern. Wer A sagt, muß auch B sagen. Die Bauverwaltung hat in diesem Falle sehr gut mitgedacht. Eine Konsequenz ist die Verbreiterung der Brücke.
Daß dieser Ausbau nur erfolgen soll, um die Erneuerung der Brücke zu ermöglichen, ist ein Wermutstropfen, zeigt aber deutlich, daß im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans viele Fördermittel abgegriffen werden können, um Rendsburg verkehrspolitisch in das 21. Jahrhundert zu katapultieren. Und vor allem profitieren alle Bürger von einer vernünftigen Radverkehrspolitik. Neben den Vorteilen im Verkehr für alle Verkehrsteilnehmer kommt die Steigerung der Lebensqualität durch Verringerung der Lärm- und Abgasemissionen hinzu.
Über die baulichen und gestalterischen Aspekte der neuen Weißen Brücke mache ich mir als echter Konservativer nur soweit Gedanken, als daß die Breite ausreichend sein muß, um den Verkehr aufzunehmen, und daß die Farbgebung unzweifelhaft mit Weiß festgelegt ist. Als Konservativer will ich das Gute bewahren, stehe ab Neuerungen dort offen gegenüber, wo sie Verbesserung bringen werden. Ich befürchte, daß momentan am stärksten jene wider die Verbreiterung reden, welche die Brücke weder regelmäßig begehen noch befahren.
Ob die Plattform nun nun notwendig ist oder nicht, das könnte nur die zukünftige Nutzung zeigen. Aus finanzieller Sicht muß hinterfragt werden, ob der Blick von dieser Aussichtspunkt die Investition rechtfertigt. Dieser Vorschlag des Gestalters auf dem Entwurf zeigt nur, daß er sich Gedanken macht, wie das Objekt aufgewertet werden könnte. Und ich verstand, ich war in der betreffenden Bauausschußsitzung zugegen, jenen Entwurf nur als stilisierten Entwurf.
Derzeit entsteht unter Rad-in-RD.de ein unabhängiges Internetangebot, welches die Radverkehrspolitik in der Region kritisch begleitet. Daneben werden auch andere Themen rund um das Fahrrad angesprochen.
Mit freundlichen Grüßen
T. Frank
Lektüretips: www.nationaler-radverkehrsplan.de, www.adfc-weyhe.de/radwege/radwege.php, www.cycleride.de und natürlich www.Rad-in-RD.de